Stereotypen, Vorurteile und der Umgang mit diesen

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Es ist heute üblich jegliche gesellschaftlichen Stereotypen als Vorurteile zu diffamieren und als gefährlich, reaktionär und hinterwäldnerisch zu verdammen. Nur das Individuelle, das Einzelne zählt, ist von Wichtigkeit, darf beurteilt werden. Das ist falsch, ideologisch und schiesst über das Ziel.

Vergessen wird, dass Stereotypen eine genetische, angeborene Grundvoraussetzung menschlichen Denkens und Verhaltens sind. Wir alle denken, alle – ausnahmslos alle -, in Stereotypen und das ist für unsere Leben ausserordentlich wichtig, überlebenswichtig.

Wir berühren keine Wespen, weil deren Körper ein charakteristisches Bildmuster aufweist, das wir kennen und mit schmerzhaften Stichen verbinden. Aber ebenso wenig berühren wir eine ungefährliche Wespenschwebfliege – weil wir sie für eine Wespe halten. Erst wenn wir sie genau betrachtet, wenn wir sie „erforscht“ haben, können wir entscheiden wir, ob sie für uns gefährlich ist oder nicht.

Stereotypen dienen dazu einen ersten Überblick, Ordnung zu schaffen, uns auf unbekannte Situationen einzustellen. Kategorisieren und Unterteilen ist ein wesentliches Element der Kognition und deren physiologischen Basis neuronaler Reflexe.

Wir sind vorsichtig: Fremdes und Neues wird zunächst immer als bedrohlich eingeschätzt. Um unsere Überlebenschancen zu erhöhen, sind wir genetisch so programmiert. Fremdes, Neues erzeugt Ängste. Erst in der vertieften Auseinandersetzung mit diesem Fremden und Neuen, lernen wir dessen Bedeutung und Risiken für uns einschätzen.

Auch bei der Wahrnehmung sozialer Gruppen werden dieser stereotypische Eigenschaften zugeschrieben, deren „Wahrheitsgehalt“ sich nur durch genaues Hinschauen, durch seriöse wissenschaftliche Untersuche belegen lassen. Hier entsprechen Stereotypen statistischen Werten taxonomischer Klassifizierung. Sie haben daher keinerlei Aussagekraft über das individuelle Verhalten. Es kann nicht genug darauf hingewiesen werden: Statistisch erhobene Eigenschaften und Stereotypien einer sozialen Gruppe beziehen sich ausschliesslich auf die untersuchte Gruppe und NIE auf deren einzelne Individuen. Wir können NIE vom Verhalten einer Gruppe auf das Verhalten eines ihrer Individuen schliessen, aber unter Umständen das Verhalten eines Individuums mit seiner Gruppenzugehörigkeit assoziieren.

Genau hier liegt die Krux und das immer wieder politisch missbrauchte Missverständnis in der Beurteilung und Bedeutungszumessung von Gesellschaft und Individuum: In der Zuschreibung von Gruppen-Soziotypien im Einzelfall, an deren Individuen.

Hinzu kommt bei der Wahrnehmung von Stereotypien sozialer Gruppen, insbesondere wenn diese Gruppen Minoritätscharakter haben, dass innerhalb solcher Minoritäten Stereotypien die Tendenz haben sich im Sinne eines circulos vitiosus oder einer sich selbst erfüllenden Prophezeiung zu verstärken. Gefängnisse verstärken das verbrecherische Verhalten ihrer Insassen.

Um sich von andern sozialen Gruppen abzugrenzen, haben soziale Gruppen zudem die Tendenz Stereotypien, vor allem bezüglich konkurrenzierender sozialer Gruppen, zu Vorurteilen zu verstärken. Diese Vorurteile sind Zuschreibungen, die der wissenschaftlichen Untersuchung meist nicht oder eben nur bedingt standhalten.

Entscheidend ist daher immer, dass man sich Einblick in die Funktionsweise der Zuordnung stereotypischer Eingenschaften verschafft und diese hinterfragt.

Gerade das Beispiel des Umgangs mit der Mymikrie der Wespenschwebflige zeigt uns, wie wir mit Stereotypen umgehen sollten, ohne sie zu Vorurteilen werden zu lassen: Vorsichtig näher gehen, genau hinschauen, das Einzelwesen untersuchen und uns erst dann ein Urteil über dieses bilden.

Aber falsch ist es auch den Umgang mit Wespen für harmlos und ungefährlich zu halten.

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